Kita-Befreiung ist eine Mogelpackung

Wahlgeschenke auf Kosten der Kommunen

 

In der vergangenen Woche hat der Landtag entschieden, dass Eltern in Hessen ab 1. August weniger für die Kinderbetreuung bezahlen müssen und zwar für die 6 Stunden-Betreuung. „Nach monatelanger Debatte wurde nun endlich das entsprechende Gesetz von CDU und Grünen im Landtag verabschiedet. Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren können ab 01.08. von den Gebühren befreit werden.

„Schön für die Eltern,“ so Straub, „aber was heißt das in der Realität? An dem Rechtsanspruch ändert sich überhaupt nichts. Wenn Eltern nun in die Kitas gehen und ihren 5-Stunden-Platz auf einen 6-Stunden-Platz erhöhen wollen, werden Sie dort eines Besseren belehrt werden. Es findet durch die Gesetzesänderung lediglich ein veränderter Kostenausgleich bei den Gebühren statt.“

„Das ist besser als gar nichts. In vielen Kommunen wurde dieser selbstverständlich für das letzte Jahr vor dem Schuleintritt, für 5 Stunden Betreuung, an die Eltern weitergeben. In Hanau waren es sogar 3 Jahre vor dem Schuleintritt und das schon seit 10 Jahren – ohne dass das Land hier je einen Finger gerührt hätte,“ so Straub weiter.

„Selbstverständlich werden die Eltern bei der Kindergartenbetreuung sparen können. Doch hilft dies nicht bei einer qualitativen Betreuung. Das geht an der Lebensrealität vorbei, da zahlreiche Familien auf längere Betreuung angewiesen seien,“ kritisierte die Landtagskandidatin. „Zudem würden Kinder unter drei Jahren in der Krippe gänzlich ausgenommen. Darüber hinaus wird nur das gängige Modell der CDU hinsichtlich eines Halbtagsplatzes gefördert. Lebensrealität ist aber, dass Kinder heutzutage mindestens 7, 5 Std. betreut werden müssen. Eltern müssen arbeiten, um ihren Lebensstandard zu sichern. Dabei ist die Betreuung ihrer Kinder Grundvoraussetzung. Es wird aber kein Kind länger betreut werden – wie auch? Es fehlt in diesem Land an Fachkräften!“

„Das Land will pro Jahr 220 Millionen Euro in die kostenfreie Betreuung investieren,“ erklärt Straub. „Davon stammt die Hälfte allerdings aus dem kommunalen Finanzausgleich – also Geld, das sowieso den Städten und Gemeinden zusteht.“

„Der einzige Grund für diese Aktion sei der Versuch, Wahlgeschenke für die Landtagswahl am 28. Oktober zu verteilen,“ so Straub weiter.

„Bildung muss für alle frei sein. Das gilt nicht nur für Schulen und Hochschulen, sondern auch für die frühkindliche Bildung in den Kitas. Beste Bildung und Betreuung muss für alle jungen Menschen, unabhängig von Geldbeutel und sozialer Herkunft, zur Verfügung stehen. Nur so lässt sich Chancengleichheit umsetzen. Denn Gebühren aller Art bilden für Kitas, Schulen und Universitäten eine Zugangsbarriere.“

„Wir wollen daher die Gebühren für alle Kinder ab einem Jahr stufenweise komplett abzuschaffen. Außerdem muss es mehr Zeit für ErzieherInnen geben, um die pädagogische Arbeit zu verbessern. Wir wollen Hessens Familien deshalb mit der stufenweisen Abschaffung der Kitagebühren entlasten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern. Das wirkt mehr als jede Kindergelderhöhung. Nach Umsetzung eines neuen Länderfinanzausgleichs wollen wir die weiteren Schritte finanzieren, Familien vernünftig entlasten und die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher attraktiver gestalten!“ so Straub abschließend.